Artist Interview - Santi & Tuğçe - Musik Als Schlüssel Zur Seele
Technocity - Berlin
Ihrem Geheimtippstatus sind Santi & Tuğçe eigentlich schon entwachsen, aber auch nur fast. Daher freuen wir uns besonders das außergewöhnliche Artist Duo das seit einiger Zeit Berliner Clubs wie das Mensch Meier oder auch den Klunker Kranich unsischer machen, vorstellen zu können. Santi und Tuğçe sind hier, um neue Geschichten in einer Sprache zu erzählen, die das menschliche Herz am unmittelbarsten berührt: Musik.Santi (aus Asunción, Paraguay) und Tuğçe (aus Istanbul, Türkei) haben ihre Heimat verlassen, um ihren Träumen von Musik zu folgen und sind seit mehr als einem Jahrzehnt Wegbegleiter und musikalische Partner. Nachdem sie viele Jahre in den USA gelebt haben, wo sie sich zum ersten Mal trafen, leben sie heute in Berlin und bringen ein lebhaftes Mosaik von Einflüssen und Ideen aus der ganzen Welt mit: gefühlvolle Melodien, farbenfrohe Instrumentierung, verträumte Harmonien und chirurgisch hergestellte Beats für die Tanzfläche. Tipp: Am 21. März 2020 ist Tuğçe im Beate Uwe hinter den Decks zu sehen. Ethno House, Down Tempo oder Schneckno – es gibt viele Namen für einen relativ neuen Stil, der in Berlin wächst. Seht ihr euch selbst als Teil dieser Szene und wie würdet ihr diesen Sound beschreiben? Stile oder Genres können ein bisschen knifflig sein. Einerseits brauchen wir sie, um ähnliche Musik zusammen zu gruppieren oder um eine Besetzung für eine bestimmte Veranstaltung zu erstellen. Andererseits können sie musikalische Akte in eine Schublade stecken und einen unvollständigen Überblick über ihren Stil und ihren Klang geben. Wir haben mehrere EPs, die musikalische Sprachen aus verschiedenen Teilen der Welt miteinander verschmelzen und deshalb können wir als „elektronische Weltmusik“ klassifiziert werden. Wir haben einige Veröffentlichungen, die langsamer in BPM sind, so dass wir in Downtempo oder Schneckno passen, aber wir haben auch schnellere, viel synthetischere elektronische Veröffentlichungen, die in keine dieser vorherigen Kategorien passen. In Wirklichkeit schöpfen wir aus einem breiten Spektrum von Einflüssen und machen die Musik, die wir fühlen und lieben, ohne viel Aufmerksamkeit auf Genres oder Trends zu richten. Darüber hinaus schafft ihr es elektronische Musik mit Instrumenten und Gesang zu etwas Neuem zu formen. Wie bereitet ihr euch auf eure Live-Auftritte vor? Die Vorbereitung auf das Live-Set besteht aus zwei Teilen: der Struktur der gesamten Reise und den Elementen der Live-Performance. Wir definieren die Struktur des Sets auf der Grundlage der Art der Veranstaltung, der Spielzeit und der allgemeinen Energie und Stimmung, die wir projizieren wollen. Die Performance-Elemente umfassen einen fortlaufenden Prozess des Hinzufügens neuer Synthesizer-Soli auf dem Push, die Zuordnung von Effekten zu Midi-Controllern zur Manipulation von Live-Elementen, das Hinzufügen neuer Marimba-Patterns zum Spielen mit einem Drum-Pad, das Experimentieren mit Gesang und so weiter. Wir bemühen uns immer darum, das Live-Set dynamischer und interaktiver zu gestalten und gleichzeitig die Funktionalität der Tanzfläche während der gesamten Reise beizubehalten. Eure Veröffentlichungen werden von euren Fans und Zuhörern weltweit gefeiert. Und ihr spielt auch live rund um den Globus – was war rückblickend einer der wichtigsten Punkte in Ihrer Karriere? Ein besonders denkwürdiger Moment war 2016, als wir auf einer kleinen Untergrundparty in Rio de Janeiro spielten. Dieses hauptsächlich brasilianische Publikum begann, zusammen mit Tuğçe die türkischen Texte einiger unserer Lieder zu singen. Damit hatten wir nicht gerechnet! Ein anderer war bei unserem ersten Besuch in Mexiko, dem Merida-Fest 2017. Wir hatten zwei Konzerte, eines in einem riesigen antiken Theater und ein weiteres direkt im Stadtzentrum. Tausende von Menschen waren im Publikum, tanzten und jubelten mit. Dies war ein weiterer ganz besonderer Moment auf unserer bisherigen musikalischen Reise, denn wir konnten Zeuge des verbindenden Potenzials unserer Musik werden, die bei so vielen Menschen ungeachtet ihrer Sprache, ihres Alters oder ihrer Herkunft Anklang findet. Und welchen Anteil hat Berlin an dieser musikalischen Reise? Berlin ruft uns schon seit geraumer Zeit. Seit dem ersten Moment, als wir begannen, unsere Musik online zu veröffentlichen, haben wir eine starke Verbindung zur Musikszene in Berlin gespürt, obwohl wir 7500 Kilometer entfernt in einer kleinen Stadt in den USA lebten. Als wir im August 2017 schließlich dem Ruf Berlins folgten und mit unserer Katze in die Stadt umzogen, ahnten wir nicht, dass wir unsere Musik überall in Berlin hören würden, in Clubs, Cafés, Radios und auf Festivals. Das gab uns ein seltsames Gefühl der Vertrautheit, obwohl wir völlig neu waren und unser Leben an einem neuen Ort von vorne beginnen. Heute freuen wir uns, Berlin unser Zuhause und unseren musikalischen Spielplatz zu nennen. Die Stadt inspiriert uns weiterhin und fördert unsere Kreativität. An welchen Orten in Berlin lassen Sie sich zu neuen Liedern und Tracks inspirieren? Die meiste Inspiration erhalten wir in Momenten der Stille, oft durch unsere langen täglichen Spaziergänge in Berlins schönen Parks. Wir lassen uns auch von verschiedenen Geräuschen der Stadt inspirieren, wie z.B. von den metallischen Klängen der Boote in der Spree, von den kühlen Winterwinden und vom Knistern der Zweige und Äste der Bäume. Und schließlich lassen wir uns von all der großartigen Musik inspirieren, die in jeder Ecke der Stadt spielt. Berlin ist auf diese Weise ein solcher Genuss. Zum Beispiel montieren die Berliner Club-Lautsprecher auf ihre Fahrräder, fahren damit an einem Sommertag in einen Park und die Leute tanzen zu großartigem Techno an einem beliebigen Sonntagmorgen. Wie sieht euer Fahrplan für die nächsten Monate für Veröffentlichungen, Auftritte und Projekte aus? In den kommenden Monaten werden wir uns hauptsächlich auf die Produktion mehrerer neuer EPs konzentrieren und an unserem neuen Live-Set weiterarbeiten, bevor wir unsere Sommertournee und unsere Festivalabenteuer beginnen.