Concert Review – Kassel World Music Festival

Kulturzentrum Schlachthof Kassel ist zurück
Kasseler Weltmusikfestival endet mit fulminanter Abschluss-Clubnacht

(Kassel/Welt) Wer bei Weltmusik an trutschig-buntbehemdete Folklore denkt, dürfte am Freitag, bei der Abschluss-Clubnacht des Kasseler Weltmusikfestivals, eine Überraschung erlebt haben. Massive Beats, die jeden Berliner-Club in Schwingung gebracht hätten, gingen durch die Körper, im mit etwa 200 Gästen gut besuchten, aber nicht ausverkauften, neu renovierten Veranstaltungssaal des Kulturzentrum Schlachthof in Kassel. `Santi & Tugce feat. Flavien Porcu` brachten ab 23:00 Uhr World-Club-Feeling nach Kassel. Mit ihrer massiven Basslinie, virtuos durch Santi, alias Santiago Ferreira, immer wieder aufs Neue kreiert, kombiniert mit spanisch-südamerikanisch bis orientalisch anmutenden Elementen, brachten sie das Publikum schon mit dem ersten Song auf ihre Seite.

Der Gesang von Tugce Kurtis, auf den ersten Blick durchaus traditionell, wurde durch das ungewöhnliche Arrangement der Titel, zu einem Techno-Ethno-Genuss. Zum Glühen brachte die Stimmung der begnadete Multi-Percussionist Flavien Porcu, der `Santi & Tugce` in Kassel begleitete. Mit fliegenden Händen und einer Leichtigkeit, die man selten sieht, schuf der Franzose Porcu mitreißende Rhythmen über alle Musik-Styles hinweg. Viele Titel der Nacht sind auf dem frisch erschienenen Album `Punto Cero` von `Santi & Tugce` zu hören. Wer die Musik der Brüder Fritz und Paul Kalkbrenner oder die beatvollen Stücke von Blank & Jones mag, der wird auch dieses Album schätzen.

Schon fast martialisch muteten die Beats von `Orange` an, die im Anschluss mit ihrer Musik den Saal zum Dancefloor machten. Die Clubnacht hat gezeigt, was im „neuen“ Kulturzentrum Schlachthof jetzt alles möglich ist. Technik, Licht und Räumlichkeiten sind top – beste Voraussetzung für viele Veranstaltungen mit Suchtfaktor, so wie das Weltmusikfestival. (zbp) (© Birgit Picht)

SANTI & TUĞÇE | Concert Review – Kassel World Music Festival